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Die Geschichte der Gemeinde

In der Luftlinie einen knappen Kilometer vom Zusammenfluss seiner beiden Quellflüsse Weißer und Roter Main bei Steinenhausen entfernt, tritt der Main in das Gebiet des Marktes Mainleus ein. Nicht nur die Geschichte und Gegenwart wurden durch die Lage entscheidend geprägt, diese war hat der Gemeinde auch ihren Namen gegeben: "Mainleus" bedeutet "Siedlung der Slawischen Sippe der Lubis am Main".

Zwar greift das Gesamtgebiet des Marktes Mainleus heute weit über die nördlichen bzw. südwestlichen Ränder des Maintals hinaus, doch immer noch wohnt hier im Siedlungsband Hornschuchshausen - Pölz - Mainleus - Schwarzach - Fassoldshof - Rothwind der Hauptteil der Einwohner. Die geografischen Teilräume der Gemeinde bilden das Maintal, das Zentbachtal, das Patersbergmassiv und das Albvorland.

Von der Frühgeschichte bis ins 18. Jahrhundert

Funde aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit beweisen eindeutig, dass das Gebiet des Marktes Mainleus zu den ältesten Siedlungsgebieten am Obermain zählt. So hat man an den Südhängen des Patersberges - in der Nähe Veitlahms - Werkzeugreste aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit gefunden. Ebenso weisen die Funde von Sammelgräbern aus der Hallstattzeit auf dem Görauer Anger oberhalb Buchau auf frühzeitliche Besiedlung hin.

Auch in Mainleus selbst konnten Grabfunde aus der Bronze-, Hallstatt- und La-Tène-Zeit sichergestellt werden.Besondere Beachtung verdienen die Bruchstücke eines Mammutskeletts (ca. 20000 Jahre alt), eines etwa 7000 Jahre alten Hirschgeweihs und einer ungefähr 5000 Jahre alten Hirschgeweihhacke im Maintal, nahe dem Weiler Unterauhof. Die ältesten Zeugen fränkischer Besiedlung sind die bei Dörfles gefundenen Reihengräber aus der Karolingerzeit. Insgesamt scheint es sicher, dass die ersten fränkischen Siedler im 9. Jahrhundert aus zwei verschiedenen Richtungen in das Gemeindegebiet vorstießen, einmal von Königsfeld bei Hollfeld aus über Kasendorf nach Buchau, zum anderen das Maintal hinauf über die Urpfarrei Altenkunstadt nach Schwarzach. Ob Mainleus von Schwarzach oder von dem aus Richtung Kasendorf besiedelten Melkendorf aus kolonisiert wurde, bleibt unklar.

Bis Ende des 12. Jahrhunderts war das Gemeindegebiet im wesentlichen erschlossen.

Von besonderem Interesse ist hierbei die Entstehung Wernsteins. Im Jahr 1370 wurde von den Herren von Künßberg auf dem Basaltkegel des Bärenstein (bzw. Bernstein) ein "festes" Haus errichtet, aus dem sich später das heutige Schloss entwickelte. Erst zwischen 1764 und 1793 ließ der Schlossherr für seine Bediensteten hier eine Siedlung von 11 "Tropfhäusern" errichten, aus der sich der heutige Ort Wernstein entwickelte. Bei den auf unserem Gemeindegebiet im Mittelalter herrschenden Besitzverhältnissen kann man von einer Dreigliederung sprechen:

  • das teils den Kulmbacher Markgrafen direkt zugehörige, teils seinen Ministerialen von Künßberg unterstellte Wernsteiner Land,
  • das teils dem Erzbischof von Bamberg, teils seinen Langheimer Äbten zinspflichtige Langheimer Land,
  • der Thurnauer Besitz der Giech'schen Grafen, die ja immer wieder die Hoheitsansprüche sowohl des Markgrafen als auch des Erzbischofs zugunsten ihrer eigenen Selbständigkeit geschickt gegeneinander auszuspielen vermochten.

Erster wirtschaftlicher Aufschwung

Bis ins 19. Jahrhundert änderte sich kaum etwas im Arbeitsrhythmus und der Struktur der ländlichen Bevölkerung. Die sich 1813 in Mainleus ansiedelnde Flößerei erwirkte für die Gemeinde bald einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung, vor allem jener Betriebe, die zur Versorgung der Flößer und Fuhrknechte beitrugen.Der zur 650-Jahr-Feier im Jahre 1983 errichtete Flößerstein auf dem einstigen Floßanger soll an die Bedeutung der Flößerei für die wirtschaftliche Entwicklung von Mainleus erinnern. Als 1938 die letzten Flöße in Mainleus gespannt wurden, war die Flößerei durch den Ausbau des Mains als Großschifffahrtsstraße und durch die Konkurrenz der Eisenbahn vollends unrentabel geworden.

Die Spinnerei

Durch den Bau der Eisenbahnlinie Bamberg - Hof wurde Mainleus 1846 Bahnstation. Als 1908 die Kulmbacher Spinnerei einen geeigneten Standort für eine Zweigniederlassung suchte, war die Möglichkeit eines Gleisanschlusses einer der wichtigsten Faktoren für die Entscheidung zugunsten von Mainleus.

Wie sehr von nun an die Industrie das Bild der Gemeinde Mainleus bestimmen sollte, wird durch die Tatsache deutlich, dass der Zweigbetrieb der Spinnerei, der 1909 die Produktion aufnahm, bereits 1912 um das Doppelte erweitert werden musste. Der durch den Zuzug von Arbeitern entstandenen Wohnungsnot trat die Spinnerei - unter Leitung von Geheimrat Dr. Fritz Hornschuch - durch den Bau einer ca. 3 ha großen Wohnkolonie "Hornschuchshausen" entgegen.

Noch bis in die 70er Jahre blieb die Textilindustrie der bedeutendste Wirtschaftszweig der Gemeinde. Das besondere Gewicht der Textilindustrie findet auch darin Ausdruck, dass im linken Feld des Gemeindewappens - auf silbernem Grund - ein senkrecht stehendes halbiertes Spinnrad zu sehen ist.

Gemeindegliederung und damit verbundene Großprojekte

Nach der Gebietsreform, bei der ehemals 10 selbständige Gemeinden und Gemeindeteile aus 4 aufgeteilten Gemeinden zu einer gut funktionierenden Einheitsgemeinde zusammenwuchsen, erforderte Veränderungen im kommunalen Bereich. Hierzu zählten folgende Großprojekte der letzten 20 Jahre.

Das bisherige "Haus der Gemeinde" aus dem Jahre 1934 war für die Aufgaben der neu gegliederten Gemeinde Mainleus zu klein geworden. Am 24. April 1991 stellte Bürgermeister Werner Grampp daher in einer Pressekonferenz die Pläne für einen Rathausum- und -erweiterungsbau vor, die von Architekt Burkhard Kluge und Kreisbaudirektor Hermann Stamm gefertigt worden waren, um diese Raumnot abzuschaffen. Das Besondere an der von ihnen erarbeiteten Lösung war die Verbindung des alten "Rathauses" mit dem aus dem Jahr 1911/12 stammenden Teil des Schulgebäudes durch einen mit drei Torbögen versehenen Zwischentrakt über die dazwischen liegende Schulstraße hinweg. Am 2.9.1991 fand dann der Spatenstich statt und schon am 3. Dezember desselben Jahres wurde das Richtfest gefeiert. Fast genau ein Jahr nach dem ersten Spatenstich, nämlich am 24. September 1992, konnten die neuen Amtsräume bereits eingeweiht werden.

Neben dem Straßenbau, der Fernwasserversorgung und der Erneuerung des alten Leitungsnetzes wurden auch noch weitere Veränderungen umgesetzt. Der Ausbau des behindertengerechten Radwegenetzes, unterstützt und gefördert von Regierung von Oberfranken und Landkreis Kulmbach, Ausbau der Kanalisation mit 6-8 Millionen Mark waren weitere wichtige Infrastrukturverbesserungen im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts. Im Zuge dieser Maßnahme ist auch der Bau der hölzernen Brücken über den Main beim Freibad in Mainleus und am Verbindungsweg zwischen Schwarzach und Willmersreuth zu sehen.

Eine wichtige Strukturmaßnahme war auch der Neubau einer Wohnanlage der St. Josephs-Stiftung an der Pölzer Straße. Unmittelbar daran grenzt eine Wohneinheit aus sieben zweistöckigen Holzhäusern an, die im Jahr 2000 in das Eigentum des Marktes übergegangen sind. Seitdem stehen die Mietwohnungen interessierten Wohnungssuchenden zur Verfügung.

Weitere größere Siedlungsmöglichkeiten wurden im letzten Jahrzehnt im Norden, Westen und Osten zur Abrundung der Kerngemeinde (an der Wernsteiner Straße, um die Heinrich-Schneider-Straße und an der Adolf-Münzer- bzw. Wolfgang-Gack-Straße) erschlossen. Auch in den übrigen Ortsteilen des Marktes entstanden (wie etwa am Löschberg in Motschenbach und "Am Gericht" in Schwarzach) neue Wohngebiete, die die Attraktivität des Marktes unbezweifelbar vergrößerten.

Durch die Gebietsreform war 1972 die Mainleuser Grund- und Hauptschule zur größten Volksschule des Landkreises geworden. Deshalb war auf die Dauer die Erweiterung des Mainleuser Schulhauses unumgänglich. Der Grundstein dazu wurde am 10. Oktober 1975 gelegt. Architekt Joachim Heinz hatte als Planungsleiter die Aufgabe, das renovierte alte Schulhaus mit dem neuen Erweiterungsbau zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden. Am 5. Dezember 1976 wurde das Richtfest gefeiert und als am 29. April 1977 die offizielle Einweihung stattfand, waren die Klassenräume des Neubaus bereits seit Jahresanfang in Betrieb genommen. 

Die Schulanlage bekam eine zweite Sporthalle, die Freisportanlage folgte Jahre später. 

Doch auch in den übrigen Ortsteilen wurden bisherige Gemeindeeinrichtungen - wie vor allem die ehemaligen Dorfschulen - nicht etwa alle stillgelegt oder zur privaten Nutzung veräußert, sondern zu einem überwiegenden Teil umgestaltet und einer Neu-Nutzung (meist als Kommunikationszentrum der jeweiligen alten Dorfeinheiten) zugeführt. So wurde die einstige Rothwinder Grundschule in kommunaler Trägerschaft zum dritten Kindergarten von Mainleus umgebaut, die Betreibung der Mehrzweckhalle in Schwarzach als wichtiges Begegnungszentrum der Gesamtgemeinde wurde fortgeführt. Die Veitlahmer Schule wurde zu einem kirchlichen Jugendzentrum und diejenige in Willmersreuth zu den Gemeindestuben, die über die Grenzen von Mainleus geradezu als Musterbeispiel bürgerlichen Engagements ihre Anerkennung finden.

1995 begann die Generalisierung und Neugestaltung des Schwimmbades, zwei Jahre später fand die feierliche Neueröffnung statt. Zunächst wurden das Technik-Gebäude, der Mutter-Kind-Bereich und das Planschbecken gebaut. Anschließend wurde mit der Sommerhalle ein Veranstaltungsort für Feste und Konzerte geschaffen. Auf ihrem Dach befinden sich die Solar-Absorber, die die Energie zum Beheizen des Wassers gewinnen. Danach wurde als Kernstück der Anlage das 50 m lange Hauptbecken mit einem Edelstahlmantel ausgekleidet. Auch das Umkleidegebäude wurde renoviert. Dabei hielt man sich aus Gründen des Denkmalschutzes weitgehend an die historischen Vorgaben der äußeren Fassade und schuf im Innern zugleich eine Anlage nach dem neuesten Stand der Technik. Als letztes wurden die 86 m lange Riesenrutsche hinzugefügt und die Außenanlagen mit der Liegewiese neu gestaltet.

Aufgrund dieser Entwicklung zu immer größerer Zentralität und dem damit verbundenen Bedeutungsanstieg über die Gemeindegrenzen hinaus, ergab sich als logische Konsequenz der Wunsch nach einer Würdigung und Anerkennung dieses Bedeutungszuwachses. 1975 wurde Mainleus als Unterzentrum anerkannt. Bereits 1983 wurde von Bürgermeister Heinz Hugel der Antrag an das Innenministerium gestellt, die Gemeinde Mainleus zur Stadt zu erheben. Nach 17 Jahren, mit Wirkung vom 16. September 2000, ging der Wunsch der Erhebung zur Marktgemeinde in Erfüllung. Unter den 2056 bayerischen Gemeinden ist damit Mainleus die 381., der diese Auszeichnung zu Teil geworden ist. Dies wurde vom 15. bis 17. September im Rahmen eines großen Festprogramms gebührend gefeiert. 

 

Die ausführliche Geschichte können Sie hier nachlesen. 

Verfasser des geschichtlichen Überblickes: Detlef Kühl, fortgeführt durch Jürgen Müller M. A.